Wahn-

vorstellung

An dieser Stelle ein paar Worte über mich und meinen Bahnwahn, damit Ihr wisst, mit wem Ihr es zu tun habt:

Mein Name ist Martin Treutler und ich wurde in einer kalten Winternacht im Januar 1965 geboren. Also noch vor der Baureihe E03! Mit einer Patentante, die bei Märklin in der Produktion arbeitete (haben meine Eltern gut ausgewählt), waren die ersten Weihnachtsgeschenke natürlich vorbestimmt. So feierte ich noch nicht einmal den ersten Geburtstag, da fuhr zu Weihnachten 1965 eine Märklin 3029 auf dem Anfangskreis. Ich konnte zwar noch nicht laufen, soll aber das Prinzip des Trafos schon damals verstanden haben - alle Regler nach rechts!

Den ersten Versuch der Lokfotografie machte ich allerdings schon einige Jahre früher mit der Kamera meiner Eltern (Agfa Isolette, glaube ich). Hier das erhaltene “Dokument” zum Schmunzeln, aber bitte keine Bildbewertung abgeben. Da bekam ich beim herannahenden Zug doch gewaltigen Respekt und ging auf Deckung in Schotterhöhe. Das Drücken des Auslösers war dabei wohl eher zufällig. Dass mein Vater es nicht entsorgt hatte, zeigt, dass er wohl damals schon ahnte, dass ich es noch brauchen werde ;-)

Das Foto ist original: 25.12.1965

Meine erste Anlage wurde von meinem Vater ziemlich genau nach dem guten alten Märklin Gleisplanbuch erstellt. Inzwischen waren durch diverse Weihnachten und Geburtstage weitere Loks, Wagen und Weichen dazu gekommen. Von dieser Anlage gibt es leider nur dieses eine Bild von 1971. Beim Betrachten frage ich mich aber, ob ich das Prinzip der Eisenbahn damals verstanden hatte, denn es parken doch ziemlich viele TEE-Wagen neben den Gleisen. Naja, ich war 6 Jahre alt...später fuhren dann Plastikpanzer über die Anlage und der Bahnhof Lindental musste einiges erdulden.

Dann verließ mich der Bahnwahn für einige Jahre. Die Anlage musste einer Kellerbar weichen und wanderte zerlegt auf den Dachboden meiner Eltern, wo die Reste noch heute schlummern. Erst 1980 erwachte der Virus Bahn wieder zum Leben. Ursache war meine erste Spiegelreflexkamera, eine Praktika MTL 3, die ich 1980 geschenkt bekam. Schon von Beginn an, verwendete ich Diafilme und überlegte mir als Jäger und Sammler, was ich denn eigentlich immer und überall knipsen könnte. Die Bahnlinie in Sichtweite hinter dem Haus meiner Eltern gab mir schnell die Antwort.

Nun, 1980 im Dezember war, wie bereits geschildert, der Vorbild-Bahnwahn mit den ersten “richtigen” Lokbildern von der Rankbachbahn, dem Hauptbahnhof Stuttgart und anderen Bahnhöfen der Umgebung erwacht.

Schon bald danach wurde auch die Handvoll Loks und Wagen der Märklin HO-Bahn wieder ausgegraben und durch Zukäufe auf Flohmärkten oder von Freunden ergänzt. Erste Lackierversuche wurden gestartet, man hatte ja noch irgendwelche alten Revell Farben (genau...von den Plastikpanzern, die es inzwischen nicht mehr gab, da sie mit Überbleibseln vom Silversterfeuerwerk Kontakt hatten...).

1984 habe ich dann in einer Bücherei das Eisenbahn-Magazin entdeckt und am gleichen Tag selber am Bahnhof in Böblingen gekauft. Das Hobby nahm seinen Lauf, wie bei vielen anderen Bahnfreunden auch: Freie Zeit wurde genützt, um mit Fahrrad oder Bus an die nahen Strecken zu fahren um ein paar Loks zu knipsen. Die Freunde machten sich ein wenig Sorgen um einen und die Eltern verabschiedeten einen nicht mehr mit “pass auf Dich auf”, sondern mit “pass auf die Züge auf”, was die wohl meinten?

Wir schreiben das Jahr 1981, ich warte auf den Güterzug

Trotz Schule, Bundeswehr, Ausbildung, Studium, Freundin (später Frau - ja, die Gleiche), Beruf und Kind hat mich die Bahnfotografie nie losgelassen. Zwar gab es auch mal ruhigere Zeiten, wo über Monate kaum ein Bild entstand, dann waren wieder täglich Besuche an der Strecke angesagt, wie z. B. bei den letzten 194er Leistungen ab Kornwestheim. Da hat man mich in der Fachhochschule nur selten nach 10.30 Uhr gesehen, denn um 11.19 Uhr fuhr das deutsche Krokodil. Aber auch heute kann ein Güterzugumleiter oder eine private Leistung auf der Gäubahn zu einem vorzeitigen Dienstende führen.

Leider ist inzwischen die Zeit für dauernde Besuche an der Strecke knapp geworden, aber bisher konnte ich auch die Urlaube immer mit ein paar Lokbildern ergänzen. Meine Frau ist es gewöhnt und zieht nur dann die Notbremse, wenn es echt zu viel wird. Außerdem finden sich dann doch immer wieder ein paar (oder auch ein paar mehr) Stunden, um irgendwo an einem Gleis oder in einem Bahnhof rumzustehen, die Gedanken baumeln und sich überraschen zu lassen, was da jetzt wohl kommt, wenn man irgendwo hinter der nächsten Kurve den Zug kommen hört.

Faszination Eisenbahn - Bahnwahn

Innsbruck, März 2003 - klar, ich warte auf einen Zug...